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02. März 2026

Was Umweltpsychologie für die Energiewende leisten kann

Das Start-up AVALY vom Zukunftsort SÜDWEST macht Akzeptanz messbar und gibt Empfehlungen für bessere Beteiligung vor Ort

Gruppenfoto des Teams im Büro
Das AVALY-Team v. l. n. r: Julius Peschke (COO und Mitgründer), Archanaa Ravichandran (Founding Engineer) und Sophie Apel (CEO und Mitgründerin) © Janis Wetzel/AVALY GmbH

Akzeptanz ist kein Randthema der Energiewende, sondern eine ihrer größten Baustellen. Das Start-up AVALY beschreibt sie gar als eine der zentralen Hürden beim Ausbau erneuerbarer Energien.

Wenn über die Energiewende gesprochen wird, geht es oft um Technik, Flächen und Genehmigungen – viel seltener um die Menschen, die mit diesen Projekten leben sollen. Hier setzt die Umweltpsychologie an: ein Fachgebiet, das sich mit der Wechselwirkung zwischen Umwelt und menschlichem Verhalten beschäftigt. Und das gerade jetzt wichtiger ist denn je. Parallel laufen gleich mehrere große Transformationen: Wärme, Energie, Mobilität. Viele Menschen fühlen sich davon überfordert, erzählt AVALY-Mitgründerin Sophie Apel. Umweltpsychologische Expertise kann helfen, diese Prozesse verständlicher, fairer und am Ende auch erfolgreicher zu gestalten. Nicht nur in der Forschung, sondern ganz praktisch – etwa bei Nichtregierungsorganisationen, in Kampagnen oder bei konkreten Infrastrukturprojekten.

Apels Weg in dieses Feld war klassisch akademisch: Psychologiestudium, später Spezialisierung. Lange Zeit war Umweltpsychologie vor allem im Ausland studierbar, inzwischen gibt es auch in Deutschland entsprechende Studiengänge. Der persönliche Antrieb dahinter ist oft ähnlich: die Erkenntnis, dass wir mitten in einer Klimakrise stecken – und dass Information allein nicht ausreicht, um etwas zu verändern.

Das zeigt die Forschung. Menschen ändern ihr Verhalten nicht automatisch, nur weil sie Bescheid wissen. Gewohnheiten, Identität, soziale Normen und Werte spielen eine enorme Rolle. „Wer nachhaltige Veränderungen will, muss diese Ebenen mitdenken. Eine einfache Antwort auf die Frage, wie Menschen ‚mitgenommen‘ werden, gibt es deshalb nicht“, sagt Apel. Das Wissen um diese Zusammenhänge ist aber ein entscheidender erster Schritt.

Aus dieser Einsicht ist schließlich auch ihr Unternehmen entstanden. Der konkrete Auslöser war ein Solarprojekt in einer Gemeinde, bei dem der Widerstand nicht aus grundsätzlicher Ablehnung entstand, sondern aus einem schlecht gemachten Beteiligungsprozess. Die Menschen wurden spät und einseitig informiert. Aus umweltpsychologischer Sicht ein klassischer Fehler, weiß die Gründerin. Ihre Idee: Dieses Wissen systematisch in die Praxis bringen.

Heute richtet sich die aus der Freien Universität Berlin ausgegründete AVALY GmbH vor allem an Projektierer im Bereich erneuerbare Energien. Der Kern: Frühzeitig erkennen, wie akzeptanzkritisch eine Region ist, welche Themen die Menschen vor Ort bewegen und wie Kommunikation und Beteiligung passgenauer gestaltet werden können. Dafür werden Regionen analysiert, gesellschaftliche Milieus betrachtet und Themen identifiziert, die für Akzeptanz relevant sind. Ziel ist nicht, Hardliner zu überzeugen, sondern die große Gruppe der eher neutral Eingestellten mitzunehmen.

Ein zentraler Hebel dabei ist die Analyse – und hier kommt auch KI ins Spiel. Was bisher mühsam manuell recherchiert wurde, wird heute gebündelt: Wahlergebnisse, frühere Bürgerinitiativen, Gemeinderatsbeschlüsse, Presseberichte, Petitionen oder Akzeptanzstudien aus der Forschung. Diese Daten werden aggregiert und in Machine-Learning-Modelle eingespeist. Das spart Zeit, erhöht die Vollständigkeit der Datengrundlage und macht Muster sichtbar, die Menschen allein kaum erkennen würden. Wichtig ist dabei die Einordnung: Die Software soll keine Gespräche ersetzen. Gerade bei Projekten, die stark in die Lebensumgebung eingreifen, bleibt der persönliche Austausch vor Ort zentral für Vertrauen. „Digitale Tools“, so Apel, „können unterstützen, vorbereiten und Risiken sichtbar machen – den Austausch vor Ort jedoch nicht ersetzen. Blindspots bleiben möglicherweise dort, wo alles offline passiert.“

Die AVALY-Analyse selbst soll möglichst nüchtern bleiben, ergänzt sie. Parteinahme gibt es allenfalls im Grundsatz: für die Energiewende – aber mit gesellschaftlichem Rückhalt. Denn Projekte, die über die Köpfe der Menschen hinweg entschieden werden, gefährden nicht nur Akzeptanz, sondern langfristig auch demokratische Prozesse.

Gegründet wurde AVALY Anfang 2025, nach einer längeren Vorphase, in der Idee, Modell und Förderlogik reifen konnten. Heute arbeitet ein kleines Team daran, die Modelle weiter zu validieren, neue Daten zu integrieren und das Angebot so weiterzuentwickeln, dass Analyse und konkrete Handlungsempfehlungen noch besser zusammenpassen.

Die Vision dahinter ist klar: Wenn Akzeptanz kein Zufall mehr ist, sondern von Anfang an mitgedacht wird, können Projekte schneller, fairer und nachhaltiger umgesetzt werden – für Unternehmen, Kommunen und die Menschen vor Ort.

Rico Bigelmann für Potenzial

 

AVALY - Modernes Akzeptanzmanagement erneuerbarer Energieprojekte

Potenzial – Das WISTA-Magazin. Ausgabe: Künstliche Intelligenz (KI), März 2026
  • Potenzial: Künstliche Intelligenz (KI) (2 MB)

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